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01.10.2017
WM O35 2017: Bericht aus Kochi (Indien)

Insgesamt nahmen 40 deutsche SpielerInnen die weite Reise auf sich, um am o.a. Turnier teilzunehmen, wobei ich der einzige Teilnehmer aus unserem Bundesland war.

Diverse Reisevorbereitungen mussten getroffen werden, wie Impfungen, Visabeschaffung, Meldeformalitäten, Flug, Hotel, Transfer u.v.m. Die Anreise selbst war zwar zeitaufwendig, klappte zum Glück aber problemlos. Mein Hotel lag zwei Kilometer vom Rajiv Ghandi Indoor Stadium entfernt, Indiens größtem Sportkomplex. Hier werden neben Badminton etliche andere Sportarten angeboten: Tennis, Tischtennis, Squash, Fechten, Schwimmen, Basketball u.s.w.
Ich reiste schon drei Tage vorher an, um einem möglichen Jetlag besser begegnen zu können.

Bereits zwei Tage vorher konnten wir trainieren, was ich auch mit meinem Doppelpartner tat. Die Zeiten für die einzelnen Länder waren vorgegeben. Neben den 12 Wettkampfspielfeldern standen noch auf beiden Seiten jeweils vier sogenannte Sky-Courts zur Verfügung, eine interessante Ausnutzung vorhandenen Raumes an den Stirnseiten. Die Sichtverhältnisse in der Riesenhalle waren erstaunlich gut, allerdings war die Lüftung auf jedem Feld zu spüren. Besonders bei hohen Bällen musste man das stets wehende Lüftchen einkalkulieren. Durch die Klimaanlagen war die Hallentemperatur aber sehr angenehm. Auch die Rahmenbedingungen waren weltmeisterlich: elektronische Zähltafeln und Anzeigen, Livescore/Livestream, Schiedsrichter, Aufschlag- und Linienrichter, Mopper. Insgesamt war die Organisation perfekt, die Zeitpläne wurden eingehalten.

Der Zuschauerzuspruch war auch erfreulich. Besonders an den letzten Tagen war die Halle gut gefüllt und immer dann, wenn indische Spieler antraten, war die Begeisterung groß. (Die Zuschauer mussten Eintritt zahlen.) Das Fernsehen und die Printmedien berichteten ausführlich. Immer wieder war zu spüren, wie sehr sich die Inder freuten, diese WM ausrichten zu dürfen. Badminton hat in Indien, besonders durch die guten Platzierungen ihrer Athleten in den letzten Jahren, einen hohen Stellenwert. Nach Kricket ist Badminton Sportart Nummer zwei.

Am Sonntagabend war die Eröffnungsfeier. Pro teilnehmendem Land lief eine Spielerin/ein Spieler, geführt von einem indischen Kind, in die Halle ein. 
Anschließend folgten 12 (!) Reden, die eine Stunde in Anspruch nahmen und für uns doch sehr langatmig waren. Dafür entschädigte das anschließende Showprogramm, das begeistern konnte.

Am ersten Wettkampftag mussten Eckhard Peschel (DSC Kaiserberg) und ich gegen ein thailändisches Doppel (Somrak Arnamwat/Chaiwat Hanthanom) antreten. Nach klar verlorenem 1. Satz (10:21) konnten wir uns zwar steigern (16:21), mussten uns aber leider geschlagen geben. (Die Thailänder wurden später Vize-Weltmeister.) Im Einzel lief es dagegen besser. In der ersten Runde konnte ich Irwan Shah Abdullah aus Malaysia mit 21:12 und 21:15 besiegen, was mich natürlich sehr erfreute. Immerhin hatte ich mein selbstgestecktes Ziel, mindestens ein Spiel zu gewinnen, erreicht.

Am Mittwoch war für mich Ruhetag, den ich noch ein bisschen zum Trainieren und Zuschauen nutzte. Im Achtelfinale traf ich dann auf Henry Paynter aus Kanada, an Position 2 gesetzt, späterer Vize-Weltmeister. Im 1. Satz (14:21) konnte ich noch recht gut mithalten, im 2. weniger (10:21). Der Kanadier war einfach schneller und beweglicher als ich. Somit war der aktive Teil an dieser WM für mich beendet.

Die letzten drei Wettkampftage konnte ich dann die weiteren Spiele und die besondere Atmosphäre (incl. Players-Party) genießen. Immerhin strichen die deutschen Damen mehrere Titel ein, wir Herren gingen leider leer aus.

Fazit: Eine rundum gelungene Veranstaltung; nette, stets hilfsbereite Gastgeber; sympathische deutsche Mannschaft; ein für uns ohne erkennbare Regeln funktionierender Straßenverkehr, schmackhaftes Essen, viel Regen (störte aber weniger, da meistens nachts und die Halle war regendicht).

Nach der WM habe ich noch eine siebentägige interessante Rundreise unternommen, u.a. in die Berge zu den Teeplantagen. Hier hatte ich erfreulicherweise ausnahmslos schönes Wetter mit angenehmen Temperaturen. Mein besonderer Dank geht an dieser Stelle an Klaus Buschbek aus Hamburg, der sich wieder als Teamkapitän hervorragend bewährte.

Alle Ergebnisse sind nachzulesen unter "tournamentsoftware.com".

Jens Biehler

 

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